Schmerz als Geschenk

Über den Umgang mit Schmerz und wie du ihn nutzen kannst, um deine Räume zu klären

Wir alle kennen Schmerz in unserem Leben. Und meistens wollen wir ihn am liebsten gleich wieder loswerden, wenn er da ist…

Es gibt körperlichen Schmerz z.b. verursacht durch Unfälle, Krankheiten, es reicht ein einfaches Anstoßen des kleinen Zehs an eine Kommode, die plötzlich im Weg steht, Kopfschmerzen, die nicht weggehen…

Es gibt emotionalen Schmerz z.b. ausgelöst durch den Verlust einer lieben Person oder des geliebten Haustieres, eine Trennung in einer Partnerschaft, vielleicht einfach das Wegfahren der besten Freundin in Kindertagen, wo jeder Tag, an dem man sich nicht sieht, ein Tag zu viel ist oder einfach das Gefühl, die anderen sind immer besser als ich…

Und dann gibt es emotionalen Schmerz, der tiefer geht. Ich nenne ihn hier mal seelischen Schmerz. Traumatische Erfahrungen in der Kindheit. Karmische Themen, die wir mit in dieses Leben gebracht haben, um sie zu erlösen. Schlimme Unfälle oder extreme seelische Schmerzen in der eigenen Familie durch Disharmonien, nicht gesehen werden, nicht gehört und erkannt werden in seinen innersten Bedürfnissen…

Wir müssen uns nicht ständig mit dem Lösen unseren Themen aufhalten, außer dann, wenn sie sich von selbst zeigen.

Denn wenn sich ein Thema im außen deutlich zeigt, ist es eigentlich immer soweit, dass es sich wandeln will. Ein Teil in dir ist dann bereit für Heilung. Der Schmerz zeigt sich als Chance für Heilung und Wachstum. Als Einladung, tiefer zu gehen. 

Und der andere Teil kämpft wahrscheinlich gegen den Schmerz an. Einfach, weil es sich überhaupt nicht gut anfühlt, dass er da ist und er am liebsten sofort wieder weg sein soll.

Kennst du das?

Wir suchen dann die Lösung. Wir suchen nach Möglichkeiten, uns so schnell wie möglich von dem Schmerz zu befreien. Wir nehmen Medikamente. Wir heulen uns bei der besten Freundin aus. Wir gehen zum Therapeuten. Machen Aufstellungen. Lesen Mantren und Bekräftigungen von positiven Glaubenssätzen…

Und manchmal nutzt das alles nichts.
Ist dir das auch schon mal passiert?

Mir ist es letzte Woche so gegangen.
Ein alter Schmerz kam hoch, der sich dann in körperlichen Schmerz manifestiert hat. Eigentlich war er vor 3 Wochen schon mal da, doch da griff ich – weil ich tatsächlich zu viel zu tun hatte, um mich dem Schmerz hinzugeben – zu Medikamenten und hoffte, dass er schnell weg ist. War er dann auch erstmal. Bis er wieder kam.

Und dann hatte ich Zeit. Und ich spürte, dass der Schmerz gesehen werden will. Er forderte mich auf, ihn anzunehmen – das habe ich dann nach einer schmerzdurchwachten Nacht auch endlich erkannt…

Seit ich Ja zu ihm gesagt habe, passieren in meinem Leben Veränderungen.

Ich erkenne.
Ich spüre die Wahrheit, die hinter dem Schmerz verborgen ist.
Ich fühle mich offen und verletzlich in diesem Bereich. Und trotzdem habe ich mich mit meinem Schmerz gezeigt.

Ich will mich nicht mehr verstecken. Ich will nicht mehr nur perfekt sein/scheinen.
Ich bin echt. Und ich will leben.
Und dazu gehört auch dieser Schmerz und die Verletzlichkeit.

Jetzt beginnt sich der Schmerz zu wandeln. 

Das, wo ich dachte, es geht nicht, das kann ich niemals aushalten, hat sich verändert.
Ich spüre die Kraft der Authentizität, die mir Halt gibt.
Die Worte der Ehrlichkeit und Wahrheit, die so klar und kraftvoll sind.
Sie sind mein neues Fundament.
Das Fundament, auf dem der Schmerz nun endlich heilen kann. 

Und plötzlich wird es leichter. Es entsteht wieder Fluss. Denn:

Da, wo der Schmerz heilt, kann die Liebe wieder frei fließen und neues entstehen.

Ganz viele Menschen können mit Schmerz nicht wirklich gut umgehen. Sie wollen dir Lösungen andrehen, ohne dich wirklich in deinem Schmerz zu spüren. Und das geht nicht.

Eigentlich wollen oder können sie selbst ihren Schmerz nicht fühlen. Das ist ok. Doch besonders gut tut es dann, wenn jemand zuhören kann. Wenn jemand erkennen kann und dir den Raum gibt, dass du dich selbst erkennen kannst. Ohne dass er sich in deinen Schmerz verwickelt.

Eine meiner Mentorinnen hat mir da letzte Woche sehr geholfen. Sie hat meinen Schmerz benannt und damit meinen wunden Punkt erkannt.

Das war natürlich zunächst gar nicht angenehm. Schutzlos. Hilflos stand ich da. Mit der Wahrheit konfrontiert…

Aber da ich ihr vertraue und sie um Hilfe gebeten hatte, konnte ich es annehmen, obwohl mir die Berührung mit dieser Wahrheit erst wehtat.

Und im gleichen Moment wusste ich, dass sie mir damit das größte Geschenk gemacht hat, was möglich ist:

Mich in meiner Verletzlichkeit zu sehen und es offen anzusprechen.

Sie gab mir dadurch die Chance, nicht wegzulaufen, es nicht zu verdecken, sondern es anzusehen, anzunehmen und damit den Schritt zur Wandelung in mir selbst zu wecken.

Und hier komme ich zum zweiten Teil des Artikels:

Wie du deinen Schmerz nutzen kannst, um deine Räume zu klären.

Hinter jedem Schmerz steckt eine Botschaft. Und wenn wir die erkennen, dann löst sich oft der Schmerz und das Potential der Botschaft wird frei.

Das heißt natürlich nicht, dass wir jetzt bei jedem kleinen Wehwehchen in tiefe Analysen gehen, was dieser Schmerz uns sagen will… Und auch nicht, dass wir uns so lange mit einem Schmerz martern, um ihn zu verstehen, dass wir am Ende vergessen, uns (medizinische) Hilfe zu holen, die oftmals sehr wichtig sein kann.

In deinem Innersten wirst du wissen, bei welchem Schmerz es sich lohnt, selbst einmal genauer hinzuspüren. Hinzuhören. Um zu verstehen… Um zu erlösen… Um frei zu sein…

In der Regel sind es Schmerzen, die wiederkehren, die etwas zu sagen haben. Vielleicht Ängste, die dich immer wieder „überfallen“ oder auch Sorgen, die dein Herz beschweren. Auch wenn du spürst, dass du dir irgendwo nicht den Raum und die Freiheit gibst, dich wirklich ganz als du selbst zu leben, kann dies einen Schmerz auslösen, mindestens ein Sehnen, das auch sehr schmerzhaft sein kann.

Frage dich und lausche der inneren Weisheit in dir:

  • Was willst du mir sagen oder zeigen, Schmerz?
  • Wofür stehst du?
  • Was brauchst von mir?
  • Und was kann ich tun, um dir zu helfen zu heilen?

Nimm dann die Botschaften deines Körpers, deiner Seele, deines Schmerzes ernst. Nimm dich selbst ernst.
Nimm deine Bedürfnisse, die dahinterstehen, ernst. Schätze dich selbst wert und nimm die Relevanz der Botschaft wahr.

Achte sie und handle nach deinen Erkenntnissen.

Denn wäre es nicht wichtig, wäre der Schmerz gar nicht da gewesen.

Vergib dem Schmerz und dir selbst, dass du erst durch den Schmerz erkennen konntest und dann geh deinen Weg in die Freiheit.

Ich weiß, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, die wahre Botschaft hinter dem Schmerz zu entschlüsseln. Oft ist sie sehr verborgen. Und manchmal, wenn man sich im Kreis dreht, kann es sehr hilfreich sein, sich Unterstützung zu holen. Denn dann kann es ganz schnell gehen.

Melde dich gerne, wenn ich dich unterstützen darf.

Weil es leicht sein darf. Weil auch du Freiheit und Lebensfluss verdient hast. Und weil es sich toll anfühlt, wenn der Schmerz weicht und du ein Stück mehr bei dir selbst angekommen bist.

In Liebe,

Irka

P.S: Falls du aktuell keinen Schmerz hast, so biete auch du deine Unterstützung an. Höre Menschen zu, die dir von ihrem Schmerz erzählen. Nimm sie ernst, wo sie sich selbst nicht sehen können. Und trage so zu mehr Heilung und Vergebung auf der Welt bei.

8 Comments

  1. Liebe Irka. Danke für diesen wunderbaren Artikel!!! Und die geniale Anleitung mit Schmerz umzugehen. Eine tolle Erinnerung. Danke dir sehr das du da bist Irka. Herzensgrüsse Manora

  2. Hallo Irka!! Habe schon jetzt bereits fünf Jahre starke Becken Schmerzen, die Ursache ist körperlich bedingt!! Kann man den Schmerz auch auf mentaler Weise heilen?

    • Liebe Silvia,
      grundsätzlich empfehle ich immer, ganz individuell zu schauen – Pauschalaussagen dazu zu treffen finde ich gefährlich, wenn ich nichts über den Kontext weiß.
      Sehr gerne können wir einmal telefonieren, wenn du magst und wir schauen gemeinsam hin. Dann wird es sich zeigen, auf welcher Ebene man sinnvoll ansetzen und arbeiten kann.
      Herzliche Grüße und alles Liebe dir,
      Irka

  3. Liebe Irka,

    erst heute bin ich über den obigen Beitrag auf Deine Seite gestoßen und bin ganz beseelt! Wirklich wunderschön gestaltet und ich mag Deine Texte sehr. Auch ein klasse Angebot bietest Du, sodass ich mich wundere, wieso ich erst heute hier gelandet bin. Es wird wohl seinen Grund haben: mit Schmerz war ich in den letzten Wochen auch immer wieder konfrontiert. Herzschmerz, der gelegentlich in den unteren Rücken wanderte. Und ja: er wollte angeschaut werden. Ich bin da ganz bei Dir: man muss nicht ständig graben und wühlen wie ein Maulwurf, aber wenn sich Schmerz zeigt, dann hat er was zu sagen. Leider in der Fachwelt viel zu selten berücksichtigt, dabei wäre es so eine Bereicherung in Medizin und Therapie.

    Ich freue mich, auch in Zukunft von Dir zu lesen und sende
    Herzensgrüße,
    Isabel

    • Liebe Isabel,
      wie schön, dass du da bist und gleich einen Kommentar hinterlassen hast.
      Ganz liebe Grüße zu dir!
      Bis bald,
      Irka

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